Das Geburtserlebnis verarbeiten
Wie frühe Prägungen unser Leben formen
Sein Geburtserlebnis verarbeiten – wie dein Start ins Leben heute noch mitredet
Hast du das Gefühl, ständig kämpfen zu müssen? Brichst du kurz vor dem Ziel ab? Oder spürst du ein diffuses „Irgendwas stimmt mit mir nicht“, ohne dafür einen klaren Grund zu haben?
Solche Muster können mit deiner Geburtsgeschichte zu tun haben – auch wenn du dich nicht bewusst daran erinnerst. Geburt ist mehr als ein medizinischer Vorgang. Sie ist ein emotionaler Übergang, der sich tief in Körper und Nervensystem einprägt.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie deine frühen Erlebnisse rund um die Geburt heute noch in deinen Beziehungen, deinem Erfolg und deinem Selbstbild wirken – und wie du Schritt für Schritt dein Geburtserlebnis verarbeiten kannst. Frühe Prägungen durch die Geburt wirken oft unbewusst weiter – als Grundgefühl, als innere Spannung oder als bestimmte Beziehungsmuster.
Viele Klient*innen kommen genau an diesen Punkt, wenn sie ihr Geburtserlebnis verarbeiten möchten und spüren, dass alte Muster nicht aus dem Heute stammen.
In diesem Beitrag erfährst Du..
- Das Geburtserlebnis verarbeiten - was in uns weiter wirkt
- Die emotionalen Folgen der Geburt
- Die Geburt - mehr als ein medizinischer Akt
- Wenn deine Geburt gut war
- Wenn Geburtsspuren noch in deinem Alltag wirken
- Wie alte Szenen heute noch durchblitzen
- Eine sanfte Übung um Dein Geburtserlebnis mit neuen Augen zu betrachten
- Wie systemische Aufstellungen dich beim Geburtserlebnis verarbeiten unterstützen können
- Fazit...
Das Geburtserlebnis verarbeiten – was in uns weiterwirkt

Die emotionalen Folgen der Geburt
Oder auch: Wie dein erstes „Ja zum Leben“ heute noch in dir wirkt
Die meisten von uns können sich an ihre Geburt nicht erinnern.
Doch manche Menschen „erzählen“ ihre Geschichte im Coaching mit Sätzen wie:
- „Ich muss immer kämpfen.“
- „Kurz bevor es gut wird, bekomme ich keine Luft.“
- „Ich bin irgendwie immer zu früh, zu schnell – oder immer zu spät.“
… und wir forschen dann gemeinsam, ob das mit der Geburt zu tun hat. Wenn ja, gilt es, die eigene Geburt zu verarbeiten – mit Timeline-Arbeit, Trance oder systemischen Familienaufstellungen, ganz achtsam und ressourcenorientiert.
Andere spüren: „Ich bin weich gelandet. Meine Ankunft im Leben war gehalten, ruhig, liebevoll.“
Beides ist wahr. Nicht jede Geburt ist traumatisch – und das ist wichtig zu betonen.
Wenn deine Geburt unkompliziert war, feiere das. Genieße dieses Geschenk und erlaube dir, die Dankbarkeit dafür wirklich zu fühlen.
Und wenn es bei dir nicht so war, wenn da Unruhe, Enge oder ein diffuses „Irgendwas stimmt nicht“ mitschwingt, dann darfst du liebevoll hinschauen – ohne Drama, ohne Schuld. Nur mit Bewusstsein.
Denn so kannst du dich am besten davon (er)lösen.
„Was der Körper bei der Geburt erfährt,
prägt das innere Bild von Grenze, Sicherheit und Durchlässigkeit.“
Ludwig Janus
1. Die Geburt – mehr als ein medizinischer Akt
Die Geburt ist ein Übergang: aus einem meist geschützten, begrenzten Raum in eine Welt voller
Reize, Geräusche, Berührungen. Für das Nervensystem ist das eine riesige Transformation. Der Einfluss der Geburt auf die Psyche zeigt sich oft viel später – in Beziehungsmustern, im Umgang mit Stress oder im Gefühl, immer kämpfen zu müssen. Wer sein Geburtserlebnis verarbeiten will, beginnt zu verstehen, wie tief dieses frühe Übergangserlebnis im Nervensystem verankert ist.
Das, was wir in dieser Zeit erleben – oder vermissen – kann sich tief im Körper speichern:
- als Gefühl von Grundvertrauen oder
- als innere Überzeugung: „Das Leben ist anstrengend und gefährlich.“
Im Coaching geht es im Zusammenhang mit den Themen „Vorwärtskommen“, „Erfolg gestalten“, „Sichtbarkeit“ und „Geldfluss“ oft um frühe Prägungen durch die Geburt. Die Arbeit mit Regressions- und Aufstellungsprozessen macht den Einfluss der Geburt auf die Psyche in diesen Beispielen immer wieder sichtbar:
- Kund*innen, die kurz vor einer Beförderung innerlich „dichtmachen“. Wenn wir in ihre Geburts-geschichte schauen, zeigt sich nicht selten: eine Nabelschnur um den Hals, ein Gefühl von akuter Lebensgefahr beim „Vorwärtsgehen“. Fortschritt fühlte sich für das System wortwörtlich lebensgefährlich an.
- Oder jemand, der sich im Job „wie eingeklemmt“ fühlt – und im Rückblick zeigt sich: Feststecken im Geburtskanal, ohne Luft, ohne Ausweg.
- Die Folge kann sein: Klaustrophobie – die Angst vor engen, geschlossenen Räumen. Nicht, weil es dort tatsächlich bedrohlich wäre, sondern weil der Körper eine alte Szene mit einer aktuellen Situation verwechselt. Sie erinnert ihn an „eingeklemmt im Geburtskanal“ ↔ Enge, Atemnot, Kontrollverlust.
- Den Menschen, die durch einen Kaiserschnitt das „Licht der Welt“ erblickt haben, fehlt andererseits oft der innere Antrieb. Sie warten darauf, dass jemand kommt und ihnen die Arbeit abnimmt, statt sich selbst durchzukämpfen. Sich durchsetzen, für sich einstehen, auch mal für sich kämpfen.
2. Wenn deine Geburt gut verlaufen ist?
Lass uns das gleich am Anfang klar sagen: Nicht jede Geburt hinterlässt Wunden. Viele Geburten sind kraftvoll, getragen, gut begleitet.
Wenn deine Geburt...
- relativ schnell und unkompliziert war
- deine Mutter sich gut gehalten fühlte
- du ohne große medizinische Eingriffe auf die Welt kommen konntest
…dann ist das eine unglaubliche Ressource.
Vielleicht erkennst du dich in diesen Qualitäten wieder:
- Du hast ein eher stabiles Grundvertrauen.
- Herausforderungen erlebst du als „machbar“.
- Du kannst dich im Leben und in Beziehungen anlehnen.
Dann darfst du genau das tun, was wir so selten machen:
✨ Feiere das. Nimm diese gute Erfahrung ernst. Spür nach: „Wow, mein Start war gut. Ich darf darauf bauen.“
Auch das gehört zur Heilungskultur: nicht nur Schmerzen anschauen, sondern auch die Stellen ehren, an denen es schon gut ist. Die Leichtigkeit, darf auch in anderen Lebenssituationen vorhanden sein/bleiben.
3. Wenn Geburtsspuren noch heute in deinem Alltag wirken
Falls deine Geburt komplizierter war, zeigen sich die emotionalen Folgen der Geburt zeigen oft erst Jahre später – in Mustern, die du logisch kaum zuordnen kannst. Gerade wenn solche unerklärlichen Muster auftauchen, ist es hilfreich, das eigene Geburtserlebnis verarbeiten zu können, um alte Szenen von heutigen Situationen zu unterscheiden.
Warum belastet mich meine Geburt heute noch?
Schauen wir uns ein paar typische seelische Folgen einer schweren komplizierten Geburt an...
- Welche Muster können daraus entstehen?
- Welche Ressourcen liegen darin?
3.1 Komplizierte oder sehr lange Geburt
Die psychischen Folgen einer schweren Geburt zeigen sich oft erst viel später – als innere Blockaden, diffuse Angst oder das Gefühl, ständig kämpfen zu müssen.
Mögliche Erlebnisqualitäten:
- Ohnmacht
- starker Schmerz
- Überforderung – beim Kind und bei der Mutter
Mögliche Muster im späteren Leben:
- „Ich komme nur mit extremem Kampf ans Ziel.“
- „Erfolg bedeutet Überleben, nicht Freude.“
- Kurz vor dem Durchbruch geht plötzlich nichts mehr – der Körper erinnert sich an das „Endlos-Feststecken."
Mögliche Ressourcen, die daraus entstehen können:
- enorme Ausdauer
- die Fähigkeit, auch in schwierigen Phasen dranzubleiben
- tiefe Empathie für Menschen in Krisen
Ein heilender Perspektivwechsel könnte sein:
Du darfst lernen, dass heute nicht mehr dein Geburtsraum ist. Du hast alles hinter dir. Du darfst erleben, dass Schritte nach vorne nicht lebensgefährlich, sondern Ausdruck deiner Lebenskraft sind. Du hast alles überlebt, da darf sich auch Mut und Kraft zeigen.
3.2 Kaiserschnitt, Zange, Nabelschnur um den Hals
Hier wird der Übergang von außen gesteuert – aus medizinischer Sicht oft lebensrettend und notwendig.
Mögliche innere Botschaften:
- „Ich schaffe es nicht allein.“
- „Andere müssen mich retten.“
- „Wenn ich losgehe, wird es gefährlich.“
Später kann sich das zeigen als:
- Schwierigkeiten mit Vertrauen und Hingabe
- Kontrollbedürfnis – auch beim Thema Geld & Erfolg
- das Gefühl, Entscheidungen nicht selbstbestimmt treffen zu können
Und gleichzeitig steckt hier auch:
- die Erfahrung: „Ich darf Hilfe bekommen.“
- ein zartes, feines Empfinden für Grenzen und Sicherheit
- oft ein starkes Gefühl für Verantwortung – auch für andere
Eine heilsame Formulierung dazu:
„Damals brauchte ich Hilfe – und es war gut, für Mama und für mich, dass ich sie bekommen habe. Heute darf ich selbstbestimmt wählen. Hilfe ist ein Geschenk, keine Schwäche.“
3.3 Frühgeburt – zu früh ins Leben geworfen
Frühgeborene kommen in eine Welt, für die Körper und Nervensystem oft noch nicht ganz bereit sind:
Mögliche Grundgefühle:
- „Ich bin immer zu früh.“
- „Ich bin (noch) nicht bereit.“
- „Ich muss schneller sein als alle anderen, um dazuzugehören.“
Mögliche Folgen:
- Überforderung, innere Unruhe
- Perfektionismus – „Ich muss alles ausgleichen.“
- Überanstrengung, als müsste man dem Leben ständig „hinterherlaufen“
Mögliche Ressourcen:
- feine Antennen
- hohe Sensibilität für Energie, Stimmungen, Atmosphäre
- oft ein Pioniergeist – jemand, der gern Neues betritt, bevor es andere tun
Ein gesunder Gedanke
„Damals kam ich früher als gedacht. Heute darf ich mein eigenes Tempo finden – und mir Zeit nehmen, wirklich anzukommen.“
3.4 Geburtstrauma der Mutter
Nicht nur das Kind, auch die Mutter erlebt die Geburt intensiv.
Mögliche Erfahrungen der Mutter:
- Todesangst
- massive Schmerzen oder Kontrollverlust
- Schuldgefühle: „Ich habe etwas falsch gemacht. Mein Kind hat wegen mir gelitten.“
Das Kind kann unbewusst übernehmen:
- „Ich habe Mama wehgetan.“
- „Ich bin zu viel.“
- „Ich darf nicht zu glücklich oder erfolgreich sein, sonst geht es Mama schlecht.“
Später zeigt sich das oft als:
- Schwierigkeiten, sich wirklich Erfolg zu erlauben
- diffuse Schuldgefühle, wenn es einem selbst gut geht
- Tendenz, sich klein zu machen, um anderen nichts „wegzunehmen“
Mögliche Ressourcen aus diesen Erfahrungen:
- tiefes Mitgefühl
- eine feine Wahrnehmung für emotionale Prozesse
- das Potenzial, alte Familienschuld in Bewusstsein und Versöhnung zu verwandeln
Ein entspannte Sichtweise dazu könnte sein:
„Mama hatte ihre eigene Geschichte, ihren eigenen Körper, ihre eigene Angst. Ich ehre ihren Weg – und erlaube mir meinen eigenen.“
4. Wie alte Szenen noch heute durchblitzen

Vielleicht kennst du Situationen wie diese:
- Du willst „nach vorne“ – ein neues Projekt, eine Sichtbarkeit, eine Beziehung – und plötzlich zieht sich alles zu.
- Du fühlst dich festgefahren, obwohl objektiv nichts Bedrohliches passiert.
- Kurz vor dem Ziel kommt Panik, Erschöpfung oder Sabotage.
Was, wenn dein System dich nicht sabotiert – sondern nur schützen will? Dein Körper und dein ganzes System versuchen vielleicht bis heute, deine Geburtserlebnisse zu verarbeiten – auf ganz eigene Weise.“
Wenn der Körper alte Atemnot, Ohnmacht oder Überforderung mit aktuellen Schritten verwechselt, dann reagiert er logisch – aus seiner Sicht.
5. Dein Geburtserlebnis verarbeiten - eine sanfte Übung
Diese Impulse ersetzen keine Therapie, können dir aber helfen, deine Muster liebevoll zu betrachten.
Übung: Spiegel-Szenen – wo wiederholt sich etwas?
1. Denk an eine Situation, in der du immer wieder ähnlich reagierst, z. B.:
- kurz vor Abschluss eines Projekts
- in Konflikten
- in Momenten, wo du „eigentlich“ glücklich sein könntest.
- in Räumen in denen die die Luft weg bleibt
2. Schreib dir zwei Spalten auf:
- Links: „Was aktuell genau geschieht?“ (Ort, Menschen, dein innerer Zustand)
- Rechts: „Wenn das eine symbolische Szene meiner Geburt wäre – was könnte da passiert sein?“
3. Atme danach zwei Minuten sanft in den Bauch und sag leise:
„Ich erkenne mein Muster und lasse es los. Es ist ja gut ausgegangen und längst (dein aktuelles Lebensalter) xy Jahre und xy Monate vorbei.“
So kannst du die Vergangenheit und das Heute gut auf einer Zeitlinie zuordnen und erkennen: Es ist vorbei.
So kann dein System durchatmen.
6. Wie systemische Aufstellungen dich unterstützen können
In systemischen Familienaufstellungen (live oder mit dem Online Systembrett) und in der Trauma-KISS-Aufstellung „Kintsugi“ können wir dieses Geburtserlebnis verarbeiten – ohne dass du jedes Detail deiner Geburt kennen musst.
Was wir gemeinsam anschauen können:
- Welche unbewussten Sätze begleiten dich?
- Wo verwechselst du heute „Schritt ins Leben“ mit „Gefahr“?
- Welche Ressourcen deiner Geburt hast du vielleicht noch gar nicht richtig anerkannt?
In einer Aufstellung darfst du:
- deinen Platz im Leben neu einnehmen
- Schuld, die nicht zu dir gehört, zurückgeben
- die guten Kräfte deines Starts integrieren – auch wenn es schwierig war
„Wir erinnern uns auf Körperebene an etwas, das wir im Kopf gar nicht wissen können."
"Der Körper merkt sich frühe Trennung und Überforderung.“
William Emerson
🌟 Fazit: Vielleicht spürst du beim Lesen ein leises Echo?
Vielleicht merkst du: „Da ist etwas in mir, das sich nach Entlastung sehnt.“ Oder du fühlst einfach Dankbarkeit, weil du einen guten Start hattest.
Wenn du magst, begleite ich dich in einer Aufstellung dabei, deine Geburtsgeschichte mit neuen Augen zu betrachten – ohne Drama, ohne Zwang. Nur mit Bewusstsein, Atem und der Frage:
„Wie will ich heute im Leben ankommen?“
Vielleicht ist das dein Moment, deinem ersten „Ja zum Leben“ ein neues, erwachsenes „Ja“
hinzuzufügen.
Im nächsten Blogartikel geht es um das Thema:
„Mutter-Kind-Trennung nach der Geburt: Wie frühe Trennung im ersten Lebensjahr dein Bindungsvertrauen prägt“
PS: Ich freue mich über deine Kommentare weiter unten

Hallo,
ich bin Christine,
ich bin systemische Coach aus Überzeugung und Leidenschaft.
Meine Vision:
Ich helfe anderen Menschen dabei, sich von allem frei zu machen, was Sie daran hindert, die eigene Brillanz zu leben.
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